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    Wenn in einem Egoshooter ein muskelbepackter und bis an die Unterhose bewaffneter Einzelkämpfer die Welt retten muss, dann sind entweder Aliens, Terroristen oder Nazis die Bösewichte. Während die ersten beiden Sorten in den letzten Jahren regelmäßige Auftritte in diversen Games hatten, ist es um die Typen in den braunen Hemden etwas ruhiger geworden – bis jetzt. Im neuen Wolfenstein geht Shooter-Urgestein B.J. Blascovicz wieder gegen das 3. Reich vor. Naja, also eigentlich stimmt das ja nicht so ganz: hier in Deutschland wurden nämlich alle verfassungsfeindlichen Symbole und Gesten entfernt und anstatt gegen Nazis kämpft man nun gegen das „Regime“. Aber gut, man weiß ja, wie es gemeint ist. Und der generelle, stellenweise sehr drastische Gewaltgrad wurde ebenfalls unangetastet gelassen.

    Langzeitfolgen

    Als Spieler übernehmen wir die Rolle von B.J., der 1946 an einem letzten verzweifelten Ansturm der Amerikaner auf das Hauptquartier des Hauptantagonisten General „Totenkopf“ teilnimmt. Das die ganze Handlung in einem Paralelluniversum stattfindet merkt man schnell daran, dass das Regime über weit fortgeschrittene Sci-Fi-Technologie verfügt: riesige dreibeinige Kriegsmaschinen stapfen Blitze schleudernd über das Schlachtfeld und übergroße Roboterhunde haben uns im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern. Nachdem wir uns rund eine Stunde durch Schützengräben und Fabrikhallen gekämpft haben, wird B.J. am Kopf verletzt und fällt in ein Wachkoma. Von einem Fischerboot aufgelesen verbringt Blasco die nächsten 14 Jahre in einer Nervenklinik in Polen, wo er von der hübschen Krankenschwester Anya gepflegt wird. Erst als das Regime die Klinik stürmt und die Betreiber der Klinik tötet, erwacht er aus seiner Schockstarre und nimmt erneut den Kampf auf.

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    In der Nervenklinik hat das Regime übel gewütet. Das schreit nach Vergeltung.

    Bis zum Mond und zurück. So sehr hasse ich euch!

    Wolfenstein hat für einen Shooter eine recht ausgefeilte Handlung. Die Charaktere sind zwar stellenweise schon arg überzeichnet, trotzdem (oder gerade deswegen) fällt es leicht, eine gewisse emotionale Bindung zu einigen der Figuren aufzubauen. Das liegt auch daran, dass die Entwickler sich nicht davor scheuen, teils drastische Szenen von Gewalt und Unterdrückung zu zeigen. Spätestens bei dem Level im Vernichtungslager wird einem dann voll bewusst, warum man das Regime bekämpfen muss.

    Spielerisch ist Wolfenstein hingegen ein richtiger Old-School-Shooter. Zur Gesundheitsregeneration müssen Medipacks eingesammelt werden und neumodischen Quatsch wie freischaltbare Waffen oder Aufsätze gibt es auch nicht. Einzig die Möglichkeit, sich beim Ballern um die Ecke zu lehnen, ist eine Konvention an moderne Ableger des Genres. Ein echter Vorteil des Back-2-the-Roots-Prinzips ist allerdings, dass es keine Begrenzung der Tragekapazität für Waffen gibt, so dass alle gefundenen Knarren gleichzeitig mitgeschleppt werden dürfen. Leider ist das Arsenal recht überschaubar und bietet nur wenig überraschendes. So gibt es z.B. ein Laserschweißgerät mit dem wir u.a. Löcher in Maschendrahtzäune schneiden können. Oh, und man kann die Waffen beidhändig, also im Akimbostil abfeuern. Das passt zum Spiel: unrealistisch – aber sieht cool aus!

    Die große Stärke des Spiels ist allerdings das Leveldesign, welches sehr abwechslungsreiche Schauplätze bietet. Wir sind u.a. in einem Gefängnis, Forschungslaboren, Abwasserkanälen und sogar auf dem Mond unterwegs, wobei zahlreiche Skriptsequenzen stets für Überraschungen und eine filmreife Atmosphäre sorgen. Das Layout der Schauplätze ist zwar prinzipiell linear, man hat aber trotzdem selten das Gefühl in einem beengten Levelschlauch unterwegs zu sein, da es meist Alternativwege oder zwischendurch größere, offene Bereiche und zahlreiche versteckte Räume zu erkunden gibt. Forschernaturen werden zudem mit diversen sammelbaren Bonusgegenständen gelockt die z.B. zusätzliche Spielmodi freischalten.

    Fehlgriffe leistet sich das Spiel allerdings bei den Schleichpassagen, die eigentlich gar keine sind. So sollen wir uns im Gefängnis z.B. über den Hof „schleichen“ was aber überhaupt nicht notwendig ist, da die herum patrouillierenden Wachen sich selbst mit dem Messer total einfach besiegen lassen und zudem auch tot im Weg herumliegende Kollegen oder frisch in den Zaun geschnittene Löcher nicht weiter beachten. Auch einige haarsträubende Logiklöcher muss man einfach mal mit allen zugekniffen Hühneraugen übersehen: warum z.B. ist B.J. nach 14 Jahren Koma plötzlich wieder topfit? Und nein, die paar Sekunden Benommenheit nach dem Aufstehen zählen nicht!

    Allein auf weiter Flur

    Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit der umfangreichen Kampagne durchgehend gut unterhalten. So etwa 15 Stunden – danach ist allerdings Schicht im Schacht, denn einen Multiplayermodus sucht man im Hauptmenü vergeblich. Technisch basiert das Spiel auf der ID-Tech 5 Engine, welche auch in Rage zum Einsatz kommt und leider auch dessen Vor- und Nachteile aufweist. Dank der Megatexture-Technik hat man halt nicht das Problem sich häufig wiederholender Texturtapeten, muss aber damit leben, dass bei schnellen Drehungen ebenjene sichtbar nachgeladen werden. Wie deutlich dieser Effekt auftritt, hängt allerdings auch von den Einstellungen und der Güte der verbauten Hardware ab. Die Grafik an sich ist zwar nicht unbedingt das Nonplusultra was z.B. Texturauflösung und Detailgrad angeht, ist aber stets wie aus einem Guss und alles in allem qualitativ hochwertig und stimmungsvoll. Dasselbe gilt auch für den Sound und die professionellen Sprecher. Leider gibt es nach wie vor ein paar Bugs: so konnte ich das Spiel erst nach einem Treiberupdate starten (White-Screen Bug), die Auflösung lässt sich nicht einstellen und an einer Stelle wurde ich von einem Soldaten durch eine geschlossene Tür erschossen, während sein Arm mit dem Gewehr rauskuckte. Diese technischen Probleme werden hoffentlich bald per Patch behoben, sonst muss ich meinen Panzerhund auf euch loslassen, liebe Entwickler!

    Fazit

    Wolfenstein - The New Order ist ein richtig guter Shooter der alten Schule mit einer überraschend fesselnden Handlung und expliziter Gewaltdarstellung. Wer mal wieder Nazis in einem abgefahrenen Paraleluniversum bekämpfen möchte und auf Multiplayer keinen Wert legt, darf hier bedenkenlos zugreifen.

    Wertung


    Pro

    • abwechslungsreiche Level
    • überzogene, aber trotzdem fesselnde Handlung
    • umfangreiche Singleplayerkampagne
    • zahlreiche versteckte Sammelobjekte

    Contra

    • kein Multiplayer
    • einige technische Bugs
    • überschaubares Waffenarsenal
    • Story hat ein paar Logiklöcher

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 1.Jun.2014 2.856 x gelesen

    Wolfenstein: The New Order
    Publisher Bethesda
    Hersteller Machine Games
    Genre 1st-Person Shooter
    Altersfreigabeab 18 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC, Konsolen23.05.2014 Kaufen
     

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