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    Lange hat es gedauert, bis Neil Gaimans Kultroman American Gods endlich als TV-Serie umgesetzt wurde, nachdem die Rechte offenbar durch mehrere Hände gingen. Die erste Staffel macht Unkundigen den Einstieg nicht eben leicht. Lohnt es sich, am Ball zu bleiben? Und was bietet die Blu-Ray?

    americangods_cover

    (c) Amazon/Studiocanal
    ab 27.07.2017 im Handel
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    Vom Knast in die Welt der Götter
    Shadow Moon freut sich eigentlich darauf, endlich aus dem Knast zu kommen, als er die Nachricht erhält, dass seine Frau Laura bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Erschüttert macht er sich – frühzeitig entlassen – auf den Weg zu ihrer Beerdigung und trifft dabei den alternden Gauner Mr. Wednesday, der ihm einen Job als Bodyguard und Chauffeur anbietet. Da Shadow nichts mehr geblieben ist, willigt er ein und wird von Wednesday in eine Welt voller seltsamer Gestalten entführt, die Shadow zum Teil ans Leder wollen.

    Wer völlig unbedarft an die Serie herangeht, wird nach der ersten Folge wohl mit einem großen Fragezeichen über den Kopf auf dem Sofa sitzen und sich fragen, was er sich da eigentlich angeschaut hat. Nein, die Serie macht es dem Zuschauer wirklich nicht leicht. Die Bilder, oft in Nahaufnahme und/oder in Zeitlupe, sind zwar berauschend, aber anfangs ist man genauso verwirrt wie Shadow, wenn man zu ergründen versucht, worum es hier eigentlich geht. Das liegt auch an der verschachtelten Struktur der Serie. Die einzelnen Folgen beginnen meist mit einem Prolog, der weit in der Vergangenheit spielt und scheinbar nichts mit den aktuellen Ereignissen zu tun hat. Die Zusammenhänge, auch was einzelne Götter angeht, die hier und da mal auftauchen und dann wieder verschwinden, erschließen sich erst nach und nach.

    Die eigentliche Handlung kommt indes kaum voran. Nach acht Folgen mit fast acht Stunden Laufzeit sind gerade mal knapp 100 Seiten der Romanvorlage abgehandelt, im Grunde ist die erste Staffel nur der Aufgalopp, richtig los geht es wohl erst in der nächsten Staffel. Ohne Frage beeindruckend ist jedenfalls die optische Umsetzung. Fans von Hannibal werden sich in dieser Hinsicht bei American Gods sofort heimisch fühlen, denn nicht nur Showrunner Bryan Fuller ist wieder mit von der Partie, er hat gleich auch noch einen Regisseur und Musiker Brian Reitzell mitgebracht, dessen Score bei Hannibal-Fans sofort Assoziationen auslösen wird.
    Man kann das Ergebnis als bahnbrechend, opulent, komplex und ideenreich feiern, oder als abstrus, verwirrend und langweilig verbannen, die Meinungen werden da wohl weit auseinander gehen. Etwas straffer hätten die Macher die Story aber auf jeden Fall erzählen dürfen. Wenn man nach fast acht Stunden Revue passieren lässt, was bislang eigentlich geschehen ist, kommt man zu dem Schluss, dass man das auch in 90 Minuten hätte erzählen können. Aber die Macher schwelgen gerne in ihren Bilderwelten, das muss man mögen.

    Die Blu-Ray-Version verteilt die acht Folgen und auch die umfangreichen Extras auf 4 Blu-Rays. Das die Extras verteilt wurden, ist etwas ärgerlich, denn man sollte sie sich alle erst nach der ganzen Staffel ansehen, um sich nicht zu Spoilern und muss dann unnötig Disc-Jockey spielen. Neben Interviews mit den Schauspielern gibt es ein paar Featurettes. Empfehlenswert sind dabei vor allem die kurzen Einspieler „Die Neuen Götter“ und „Die Alten Götter“, die manche offene Frage beantworten können. Auch Autor Neil Gaiman kommt zu Wort, was die Entstehungsgeschichte des Romans und die Ideen dahinter angeht.
    Weiterhin gibt es ein Booklet und ein paar Postkarten dazu. Insgesamt eine schicke Box.

    Fazit

    American Gods macht einem den Einstieg nicht leicht, überzeugt aber mit außergewöhnlicher Ästhetik und tollen Schauspielern. Eine ungewöhnliche Serie, in die man mal reinschnuppern sollte, wer vor allem auf die Story wert legt, ist mit dem Roman aber wohl besser beraten.

    Wertung


    Pro

    • außergewöhnliche, opulente Bilder
    • großartiger Ian McShane
    • interessante Geschichte

    Contra

    • Storyverlauf sehr schleppend und anfangs verwirrend
    • viele Charaktere, deren Rolle anfangs oft nicht erkennbar ist

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 26.Jul.2017 1.591 x gelesen