• Werbung

  •  
    Anmelden

    Früher wurden Kriminalfälle in Serien binnen 45 Minuten gelöst, spätestens seit Twin Peaks sind aber auch Serien beliebt, in denen es eine ganze Staffel oder gar mehrere braucht. Wie in Twin Peaks wird auch in der TV-Serie Fortitude (die hierzulande nur im Pay-TV lief) Krimi mit Mystery und sogar ein wenig Horror vermischt – hier aber im ewigen Eis.

    fortitude_cover

    (c) Warner Home Video
    Laufzeit: 576 Minuten
    ab 28.01.2016 im Handel
    Bei Amazon bestellen

    Tote im hohen Norden
    Fortitude ist eine fiktive Stadt auf der zu Norwegen gehörenden Insel Spitzbergen. Etwas mehr als 700 Menschen aus verschiedenen Ländern leben hier. Alle haben Arbeit, niemand ist besonderes reich oder arm, abgesehen von ein paar über die Strenge schlagenden Säufern gibt es für die vier Polizisten nicht viel zu tun. Das ändert sich jedoch schlagartig, als der tauende Permafrost-Boden ein Mammut freigibt. Kurz darauf gibt es einen brutalen Mord und weil der Tote englischer Staatsbürger war, schickt London einen Inspektor, um der Sache nachzugehen.
    Der beginnt schnell zu ahnen, dass viele Bewohner etwas zu verbergen haben.

    Die Serie beginnt sehr konfus. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Zuschauer nach Episode 1 nur mit den Schultern gezuckt und nicht weiter gesehen haben. Einige Rückblicke, ein undurchsichtiges Beziehungsgeflecht und vor allem das schon hier oft wenig nachvollziehbare Verhalten einiger Figuren verwirren mehr als zu fesseln. Vor allem ahnt man zunächst gar nicht, worum es überhaupt geht, bis es dann den ersten Toten gibt.

    Dieser Todesfall ist exemplarisch für den gesamten Plot, der – wie sich im Nachhinein herausstellt – auf einer haarsträubenden Ansammlung von Zufällen basiert. Das Drehbuch ist insgesamt ohnehin der Schwachpunkt der Serie. Es gibt Logikmacken ohne Ende, die eigentlich spannende Story wird mit eher nervigem Beziehungsgedöhns (A betrügt B mit C, D ist heimlich in C verliebt und geht auf A los usw…) gestreckt und verzettelt sich in im Nachhinein unsinnige Nebenplots, nur um neue Verdächtige zu schaffen.
    Insgesamt schafft es die Serie trotzdem, genug offene Fragen und falsche Fährten zu legen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Logikfetischisten werden aber vor allem zum Ende hin häufiger die Stirn runzeln.

    An der Inszenierung gibt es indes nichts zu meckern. Die Darsteller sind zwar abgesehen von Stanley Tucci, Michael Gambon (Dumbledore) und Sofie Gråbøl (Kommissarin Lund) weitgehend unbekannt, machen ihre Sache aber durchweg gut. Dazu gibt es fesselnde Bilder aus der Arktis und insgesamt eine durchaus ansprechende Kameraarbeit. Nervig ist allerdings die übergangslos startende Vorschau auf die nächste Folge am Ende jeder Episode. Das mach im TV vielleicht Sinn, aber wenn ich von Disc schaue, will ich eigentlich nicht gespoilert werden.

    Fazit

    Vordergründig ist Fortitude eine Krimiserie in ungewöhnlichem Setting, hat dann aber einen recht unerwarteten Twist zu bieten und spricht so auch Mystery-Fans an. Tolle Bilder und gute Darsteller liefern eigentlich ein ordentliches Fundament, leider basiert die Geschichte auf einer absurden Anhäufung von Zufällen und verstrickt sich im weiteren nicht nur in unnötigen Beziehungsballast, sondern weist auch noch diverse Logikfehler auf. Wer darüber hinwegsehen kann, wird 12 Folgen lang hinreichend spannend unterhalten, ein Must-See ist Fortitude aber mit Sicherheit nicht.

    Wertung


    Pro

    • sehenswertes Setting
    • gute Darsteller
    • spannende Grundidee

    Contra

    • Plot basiert auf zu vielen Zufällen
    • unnötiges Beziehungsgedöhns
    • im Verlauf erhebliche Logiklöcher
    Noch mehr Artikel zu den Tags: , ,

    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 28.Jan.2016 1.930 x gelesen