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    Nachdem Stephen Kings Romane schon als Vorlage für zig Filme dienten, hat man ihn mittlerweile auch für TV-Serien entdeckt. Nach „Under the Dome“ erschien nun mit 11.22.63 (deutscher Buchtitel: Der Anschlag) eine weitere Serie auf Basis eines King-Romans, wobei neben dem Meister selbst auch noch JJ Abrams als Produzent beteiligt war.

    112263_cover

    (c) Warner Home Video
    8 Episoden, 440 Minuten
    seit 17.11.2016 im Handel
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    Kampf um Kennedy
    Eines Tages wird der Lehrer Jake Epping von seinem Freund Al in ein Geheimnis eingeweiht: In Als Diner gibt es einen Zeittunnel, der an einen bestimmten Punkt ins Jahr 1960 führt. Vietnam-Veteran Al ist schon mehrfach dorthin zurückgekehrt um das Attentat auf Kennedy – und, so hofft er, damit auch den Krieg – zu verhindern, aber stets gescheitert. Nun ist er an Krebs erkrankt und bittet Jake, sein Werk zu vollenden.
    Epping lässt sich schließlich überreden. In den 60ern angekommen beginnt er, die Motive von Attentäter Lee Harvey Oswald auszuforschen. Hing wirklich die CIA mit drin? War Oswald der einzige Schütze? Dabei hat Jake einen erbitterten Gegner: Die Vergangenheit will sich nicht ändern lassen und legt ihm allerlei Steine in den Weg.

    11.22.63 versetzt uns zurück in die 60er Jahre, wofür keine Mühen gescheut wurden. Das Flair aber auch die Prüderie und der Rassenhass zu der Zeit werden gut eingefangen und mit Epping, gut gespielt von James Franco, hat man eine ideale Identifikationsfigur, aus deren Sicht man als Zuschauer die Umstände gut miterleben kann. Während der knapp drei Jahre bis zum Attentat (oft werden Monate übersprungen) versucht Epping sein bestes, um seine Mission zu erfüllen, muss aber seine Nachforschungen über Oswald stets geheimhalten, um weder dessen Misstrauen zu erwecken, noch das seiner Mitmenschen.

    Dieser Spagat steht dann auch im Fokus der Dramaserie. Weder liefert sie einen neuen, plausiblen Ansatz für Oswalds Tat, noch wird die Idee mit der sich wehrenden Vergangenheit konsequent verfolgt. Trotzdem hat die Serie eine gute Grundspannung, weil Eppings Pläne oder auch sein neu aufgebautes Privatleben immer wieder in Gefahr geraten. Allerdings hätte ich mir doch eine etwas klarere Motivation für Oswald gewünscht, der bleibt doch etwas blass. Dafür kann die Serie mit anderen starken Charakteren punkten.

    Obwohl die Miniserie mit acht Folgen fast 440 Minuten Laufzeit hat, wurde der 1000-Seiten Wälzer von King hier und da doch gekürzt. Beispielsweise kehrt Epping im Buch mehrfach zum Anfang zurück, weil er einen Fehler gemacht hat, was ein wenig an „Täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert hätte, hier bleibt es bei einer Zeitreise. Etwas unklar ist in der Serie auch die Rolle des Yellow Card Man, der immer wieder als Mahner für Epping auftritt. Die tiefgreifendste Veränderung gegenüber dem Roman ist allerdings, dass Epping in der Vergangenheit einen Sidekick bekommt, der ihn bei den Nachforschungen unterstützt. Im Buch spielte die Person nur eine Nebenrolle.
    Leider setzt die Serie manchmal Kenntnisse voraus. Beispielsweise trifft Epping durch Zufall in einer Kneipe auf Jack Ruby und reagiert überrascht, als der sich vorstellt. Erklärt wird das nicht, wer nicht weiß, dass Ruby der Mann ist, der später Oswald umbrachte, versteht die Szene nicht.

    An Extras gibt es eine kurze 15-Minuten Doku, in der u.a. die Showrunnerin, King und Abrams zu Wort kommen.

    Fazit

    11.22.63 ist eine gelungene Dramaserie, die den Zeitgeist der frühen 60er gut einfängt und darüber hinaus der philosophischen Frage nachgeht, ob es gut wäre, wenn man die Vergangenheit ändern könnte. Der Mystery-Part um die sich wehrende Vergangenheit hätte allerdings ruhig etwas konsequenter verfolgt werden können, so bleibt es in erster Linie eine Zeitreise-Dramaserie mit Thriller-Elementen.

    Wertung


    Pro

    • spannender Plot
    • Flair der 60er gut eingefangen

    Contra

    • Oswald bleibt eher blass
    • einiges an Wissen wird vorausgesetzt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 21.Nov.2016 742 x gelesen