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    Bei der aktuellen Schwemme an TV-Serien gibt es immer mal wieder welche, die trotz interessanter Thematik total unter dem Radar bleiben und keinen prominenten Sendeplatz finden. Dazu gehört die US-Mini-Serie Ascension, die dort im SyFy-Channel lief und nun hierzulande auf DVD erscheint. Wobei man klar sagen kann: Man hat nichts verpasst.

    ascension

    (c) Studiocanal
    Laufzeit: 270 Minuten
    ab 18.08.2016 im Handel
    Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

    Seit 50 Jahren im All
    Als zu Beginn der 60er Jahre der Wettlauf zum Mond in vollem Gange war und die Welt am Abgrund eines Atomkrieges stand, beschlossen die USA, die Menschheit zu retten. Im Geheimen wurde die Ascension gebaut, ein Raumschiff von der Größe des Empire State Buildings, das 600 Menschen in einem hundertjährigen Flug nach Proxima Centauri bringen soll, um den Fortbestand unserer Art zu sichern.
    50 Jahre sind seither vergangen, der Point of No Return rückt für die Mannschaft der Ascension näher. Die Spannungen an Bord nehmen zu, Saboteure treiben ihr Unwesen – und dann geschieht ein Mord. Ist die ganze Mission in Gefahr?

    Einer der Gründe, warum die Serie keine Fortsetzung fand und wohl auch nur bedingt erfolgreich war, ist der müde Auftakt. In den ersten 15 Minuten wähnt man sich eher in einer in den 60ern angesiedelten Soap, so lange dauert es, bis überhaupt klar wird, dass wir uns an Bord eines riesigen Raumschiffs befinden. Der Soap-Charakter bleibt aber im Vordergrund und bei all den Ränkespielen, Intrigen und Affären, fragt man sich schnell, wie die Besatzung es 50 Jahre im Weltraum ausgehalten haben soll, ohne sich gegenseitig umzubringen. Dazu gibt es Unstimmigkeiten im Design des Raumschiffs (einiges sieht da ganz und gar nicht nach 60er Jahre aus), einige Schauspieler fallen bereits negativ auf und ein paar Dialoge sind zum Augenrollen. Kurz: Spätestens nach anderthalb Folgen hätte ich als Normalzuschauer gelangweilt ausgemacht. Aber, so viel sei verraten, am Ende der zweiten von sechs Folgen gibt es einen überraschenden Twist, der dann doch noch mein Interesse weckte.

    Genau das gelingt den Machern in der Folge dann auch ganz gut: Erwartungen wecken – die dann am Ende unerfüllt bleiben. Mit immer neuen Rätseln versucht man den Zuschauer bei der Stange zu halten, aber je näher man dem Ende kommt, desto mehr ahnt man bereits, dass die Auflösung unbefriedigend ausfallen wird. Schlussendlich hängen diverse lose Fäden herum – und man hat als Zuschauer den Eindruck, dass die Macher selbst wenn sie gedurft hätten, gar nicht in der Lage wären, das alles noch irgendwie logisch aufzudröseln.
    Aber das ist nicht das schlimmste: Absurd agierende Charaktere, Dialoge auf Groschenheft-Niveau und dazu noch immer die krude Mischung aus Mystery-Thriller und Reich&Schön-Soap, in der die Protagonisten selbst im Angesicht der Katastrophe in erster Linie noch ihre Intrigen spinnen und die Macher versuchen, mit (jugendfreiem) Sex die gigantischen Logik-Löcher in der Handlung zu kaschieren. Die Rezeptur dieser Serie ist, von dem gelungenen Twist abgesehen, an sich schon total daneben.

    Dazu kommt die zweitklassige Umsetzung. Tricia Helfer aus Battlestar Galactica ist die einzige halbwegs bekannte Mimin im Cast, von den meisten anderen hat kaum einer je gehört – und das zurecht. Einige spielen total überzogen, vor allem das Mädchen Christa wird völlig unglaubwürdig dargestellt, wirklich überzeugend ist kaum einer. Auch die Ausstattung ist bestenfalls zweitklassig und in vielen Bereichen unstimmig. So sieht der Lift im Zentrum des Raumschiffs für 60er Jahre viel zu modern aus. Insgesamt ist auch die Tricktechnik auf niedrigem Niveau.

    Aber SF-Fans wird vor allem negativ auffallen, dass die Science Fiction hier nicht mehr als Staffage ist. Als „Mad Men im Weltraum“ bezeichnete ein Kollege die Serie – und abgesehen davon, dass Mad Men zigmal besser gemacht ist, stimmt das auch. Intrigen und Affären stehen hier im Mittelpunkt, dazu ein bisschen Krimi und Mystery – mit dem SF-Thema konnten die Showrunner indes wohl wenig anfangen. Ein bisschen Technikgelaber hier und da, das war es dann aber auch. Die ganze Idee (wie bitte soll man den Bau eines Raumschiffs von der Größe des Empire State Buildings geheim halten? Und wie es überhaupt starten mit 60er Jahre-Technik?), die sozialen Strukturen an Bord des Schiffes, all das ist nicht zu ende gedacht und fühlt sich nie glaubwürdig an.

    Fazit

    Ascension ist nur vordergründig eine SF-Serie, tatsächlich ist all das nur Staffage für Intrigen und Affären auf Reich&Schön-Niveau. Wer auf derlei seichte Unterhaltung steht und mit der zweitklassigen Umsetzung und der unbefriedigenden Auflösung leben kann, mag einen Blick riskieren. Science Fiction-Fans werden hier aber nicht glücklich.

    Wertung


    Pro

    • nach dem Twist interessante Idee

    Contra

    • unglaubwürdige Ausgestaltung des Schiffes
    • SF nur Staffage, hauptsächlich Intrigen und Ränkespiele
    • jede Menge Logiklöcher in der Handlung
    • Ausstattung zweitklassig
    • Schauspieler zum Teil drittklassig
    • kein befriedigendes Ende, viele offene Fragen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 16.Aug.2016 2.769 x gelesen